Für Hamburg und Wandsbek: Nein zu Olympia!
Für ein Wandsbek, das wir uns alle leisten können.
Hamburg soll sich für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 bewerben – so der Wille des Senats.
Um die Hamburger*innen zu überzeugen, dass Olympia „eine Chance für alle“ sei, produziert der Senat schöne Bilder und große Emotionen. Das lässt er sich mal eben 11 Millionen Euro kosten.
Doch damit kann er nicht ablenken von hohen Ausgaben, Baustellen, Verkehrschaos und Klimabelastung. Olympia wird extrem teuer, selbst der Senat spricht von 6.000.000.000 (6 Milliarden) Euro. Das Geld könnte für ein Hamburg ohne Olympia viel besser genutzt werden:
- für dauerhafte Sportförderung
- für mehr Jugendclubs
- für Senior*innentreffs
- für eine bessere Gesundheitsversorgung
- für günstige Mieten und vieles mehr
Der Senat spricht von 100 Millionen Euro Gewinn – und schweigt über die Gesamtsumme, die für die Olympischen Spiele ausgegeben werden muss. Kein Wunder, denn die 6 Milliarden Euro Ausgaben, die sich im aktuellen Konzept des Senats wiederfinden, (v)erschrecken schon viele.
Dabei fehlen noch die Ausgaben für Sicherheit (Polizei, Feuerwehr u.a.) und Logistik. Bei Olympia 2024 in Paris waren das 2,65 Milliarden Euro.
Die 100 Millionen Euro Gewinn in einem von drei Olympia-Budgets kommen übrigens nur zustande, weil der Senat einen Zuschuss des Bundes in Höhe von 200 Millionen Euro einrechnet. Dumm nur, dass der Bund es bisher nur bei warmen Worten belässt. Denn der Bund bekennt sich zwar zu einer finanziellen Mitverantwortung für Olympia, doch macht keinerlei Zusagen über die Höhe von Bundesgeldern. Das sei abhängig von der Haushaltslage …
Ohne Bundesgelder will der Senat die neue Multifunktionsarena im Volkspark bauen. Der Neubau des Vorbildes, das Madrider Stadion Bernabéu, hat über eine Millarde Euro gekostet.
Die Olympia-Bewerbung droht Hamburg in vielen Lebensbereichen unsozialer und teurer zu machen. Da wird es nicht um mehr, sondern um weniger Geld für wichtige soziale Aufgaben gehen. Deshalb am 31. Mai mit NEIN zu Olympia stimmen. Für Hamburg!
Profitiert denn wenigstens der Sport?
Dass Olympische und Paralympische Spiele sich positiv auf den Breitensport auswirken, hat sich nicht bewahrheitet. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten nach den Spielen in Sydney, Athen und London keinen positiven Effekt auf den Breitensport feststellen.
Die heute vorhandenen langen Wartelisten, besonders bei der Fußballjugend und im Schwimmunterricht, und die fehlenden Trainingsmöglichkeiten allerorten zeigen, dass Hamburg hier dringend tätig werden muss.
Für Olympia werden große Sportstätten (temporär) gebaut. Nur 42 Dreifeldhallen, 16 Sportfreianlagen und 12 Schwimmbäder sollen laut Senat für Olympia gezielt modernisiert/weiterentwickelt werden. Das ist für ganz Hamburg doch nur ein schlechter Witz!
Knapp vier Wochen Begeisterung für olympische und paralympische Sportler*innen in den Wettkämpfen enden in zu wenigen und schlecht ausgestatten Sportstätten in Hamburg.
Prima Klima mit Olympia?
Olympische Spiele verursachen enorme CO2-Emissionen – durch Neubauten, Straßenverkehr und Flugreisen. Sie lassen sich weder klimaneutral noch klimapositiv veranstalten. Deshalb will der Senat sich durch Zertifikate freikaufen – was die Klimalast in Hamburg keinen Deut besser macht.
Die Spiele wären ein klimapolitischer Rückschritt und mit den 2025 im Hamburger Zukunftsentscheid beschlossenen Klimazielen nicht vereinbar. Für den notwendigen Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs wird Olympia nicht benötigt. Das zeigt sich auch daran, dass keine neuen Planungen vom Senat vorgelegt werden, sondern nur die bereits beschlossenen.
Nicht beschlossen, aber ein großes Problem ist der Ausbau des Hamburger Hauptbahnhofes. Hier mauert die Deutsche Bahn, die sich angesichts ihrer massiven Probleme auch nicht durch Olympische Spiele mehr bewegen wird.
Barrierefreiheit und Inklusion – in 14 oder 18 Jahren! Im Ernst?
Der Hamburger Senat verspricht, dass Hamburg zur barriereärmsten Stadt Deutschlands umgebaut werde, wenn Olympia kommt. Das hört sich gut an – ist aber in Wirklichkeit ein Armutszeugnis.
Wenn dem Senat die Situation von Menschen mit Behinderung wirklich wichtig wäre, würde er erstens nicht von Barrierearmut, sondern von Barrierefreiheit sprechen und zweitens das nicht an ein einmaliges Megaevent koppeln.
Menschen mit Behinderung müssen sich uneingeschränkt in der Stadt bewegen können. Und das so schnell wie möglich und nicht erst in 14 oder 18 Jahren.
Bei Inklusion geht es um Menschenrechte. Und die müssen verwirklicht werden – unabhängig davon, ob Hamburg Olympische und Paralympische Spiele ausrichtet.
Viele Baustellen in der ganzen Stadt sind für die Olympischen Spiele vorprogrammiert. Sollte das Internationale Olympische Komitee (IOC) Hamburg den Zuschlag schon für 2036 geben, wird das Verkehrschaos groß. Denn der Senat selbst sagt, dass er bis 2036 die U5-Linie zum Volkspark nicht fertigbekommt.
Baustellen, Verkehrschaos und Stress
Am Spitzentag werden laut Senat 790.000 Ticketinhaber*innen und Tourist*innen in Hamburg sein. Täglich kommen 50.000 zusätzliche Fluggäste.
Bis heute ist nicht belegt, dass das IOC auf die sogenannten „olympic lanes“, die olympischen Straßenspuren, verzichtet. Die Hauptverkehrsstraßen werden dann stundenlang gesperrt, damit die „Olympische Familie“ rechtzeitig die Sportstätten erreicht. In Paris 2024 bewegten sich über 200.000 Akkreditiere so durch die Stadt.
Nicht zu vergessen die Sicherheitskräfte. In Paris waren über 70.000 im Einsatz. Dagegen nehmen sich die 31.000 Sicherheitskräfte für den G20-Gipfel in Hamburg 2017 fast „wie ein Hafengeburtstag“ aus – um es mal mit Alt-Bürgermeister Olaf Scholz zu sagen.
Wer gewinnt nun am Ende?
Ganz gleich, wie die Wettkämpfe ausgehen, einer gewinnt immer bei den Olympischen Spielen: das Internationale Olympische Komitee (IOC). Ja, genau das IOC, das bekannt ist für Intransparenz, Korruption, Doping-Verschleierung und fehlende Menschenrechtsstandards. Und das nach dreißig Jahren jetzt wieder die umstrittenen Geschlechtstests einführen will, um intersexuelle und Transgender-Athletinnen auszuschließen.
Dieses IOC streicht regelmäßig Milliarden-Gewinne ein, während die austragenden Städte auf den großen Ausgaben und Schuldenbergen sitzen bleiben.
Das umfangreiche Vertragswerk des IOC ist zwar von über tausend Seiten auf mehrere hundert Seiten geschrumpft. Doch noch immer liegen alle Risiken bei den austragenden Städten. Deren Interessen sind nicht relevant, denn das IOC hat eigene, rein profitorientierte Vorstellungen, wie die Spiele abzulaufen haben. Dazu gehört z.B. auch die Steuerfreiheit für IOC-Einnahmen durch die Spiele.
JA zum Sport, NEIN zu Olympia in Hamburg!
Rede unseres Abgeordneten Martin Wolter in der Bürgerschaft:

